Ausgangssituation: Die Lausitz steht vor verschiedenen strukturellen Umbrüchen und damit Herausforderungen. In der vom Bergbau geprägten Region fehlt derzeit der so genannte Plan B für die Zeit nach der Braunkohle. Der Rückgang der Braunkohleindustrie im Zuge der Energiewende wird absehbar zum Verschwinden von Industriearbeitsplätzen, Wegzug von darauf angewiesenen Menschen und zu einem Rückgang von Infrastruktur führen.

Schon zuvor wird für den Kreis Bautzen bis 2025 ein Bevölkerungsrückgang von durchschnittlich 16-18 % des Standes von 2011 prognostiziert. Das Lausitzer Seenland ist dabei besonders stark betroffen. Es sind überwiegend die jungen Menschen, und dabei die jungen Frauen, die sich entschließen, den Kreis zu verlassen.

Bei vielen Menschen lösen diese sich bereits jetzt ankündigenden Entwicklungen Ängste und Abwehrreaktionen aus.

Der anstehende Strukturwandel eröffnet aus unserer Sicht jedoch auch neue Gestaltungsräume

Und Gestaltungsraum ist in der heutigen Zeit immer kostbarer. So kann der Strukturwandel die Lausitz attraktiv machen gerade für junge tatkräftige Menschen, die ihr Lebensumfeld mit beeinflussen und etwas auf die Beine stellen wollen.

Voraussetzung ist dafür aber, dass ihre Bewohner tatsächlich die Region mitgestalten und Verantwortung übernehmen dürfen und Raum für vielfältige und unbedingt auch unkonventionelle Lösungsansätze zugelassen wird. Eine Vielfalt an kulturellen und wirtschaftlichen Standbeinen sichert dann auch das Fortbestehen der Region, wenn einzelne Standbeine wegbrechen. Somit entstünde auch eine Region, die resilient, also widerstandsfähig gegenüber Umbrüchen ist.

In diesem Sinne sind wir, eine kleine Gemeinschaft junger Menschen, seit 2011 dabei, das Gelände der ehemaligen Holzwollspinnerei in der Gemeinde Spreetal, Kreis Bautzen, wieder zu beleben.

Als Spinnerei möchten wir uns an dem oben beschriebenen Transformationsprozess aktiv beteiligen. Unseren Beitrag sehen wir vor allem in der Entwicklung und Umsetzung eines nachhaltigen, sprich enkeltauglichen Lebensstils mit seinen vielfältigen Facetten im kulturellen, (bildungs- und umwelt)politischen und bautechnischen Bereich.

Als Begegnungsort und Anlaufpunkt hat die Spinnerei bereits heute Anziehungskraft für viele und besonders für junge Menschen, die eine alternative Lebensart für sich favorisieren.

Die einzelnen Bereiche, in denen die Spinnerei sich als Entwicklungsplattform anbietet, sind vielfach mit Elementen anderer Bewegungen vergleichbar. So gibt es bereits viele Verflechtungen mit z.B. Umweltverbänden, der Transitiontownbewegung, solidarischer Landwirschaftsprozesse oder etwa der evangelischen Kirche.