Katze

Dies ist ein Testtext.

Weniger haben, mehr sein

Wir sind in der heutigen Zeit umgeben von Konflikten: Ressourcen und Flächen werden weltweit immer knapper. Daraus resultieren Kriege und Flüchtlingsströme. Die Ausbeutung von Menschen, Natur und Tieren ist allgegenwärtig. Der globale Klimawandel und der dadurch ansteigende Meeresspiegel sind als Verschärfung dieser Probleme wohl bei den meisten mittlerweile angekommen. Die Welt wird immer kleiner und knapper für die Menschheit.

Viele Menschen stellen sich die Frage: „Wie lange geht das noch gut?

Anstatt bei einem möglichen Handeln auf technische Lösungen zu vertrauen oder auf große Systemänderungen zu setzen, gehen wir ins Detail. Wir setzen bei dem an, was wir verändern können: uns selbst. Und unseren Umgang mit den oben genannten Problemstellungen.

Wir wollen Grundsätze ernst nehmen, die in den Menschenrechten, Grundrechten unseres Landes und in zahlreichen Glaubensschriften aller Religionen festgeschrieben sind. Zentral ist dabei die Frage: Wie kann man bei Wahrung der Schöpfung, im Respekt gegenüber Menschen und Tieren leben und dabei glücklich sein?

Dass es hierbei bereits viele Anleitungen, Ideen und Erfahrungen gibt, hilft uns bei unserer Orientierung. Jedoch: gute Ansätze scheitern oder weichen oft durch fehlende Konsequenz auf. Hierbei spielen die Regeln, nach denen in unserer Gesellschaft Anerkennung gewährt wird, eine große Rolle. Versuche, konsequent nachhaltig in allen Bereichen des Lebens zu leben, scheitern oft nicht an finanziellen Mitteln, fehlenden technischen Möglichkeiten oder an Motivation.

Sie scheitern unserer Ansicht nach meist an fehlender gesellschaftlicher und mitmenschlicher Anerkennung.

Unsere Gesellschaft ist durchdrungen von einem Geist des „mehr“: Anerkennung wird demjenigen gezollt, der immer mehr hat. Gesellschaftlich wird Anerkennung für Arbeit gezollt, die ein hohes Einkommen generiert und/oder mit einem hohen Bildungsstand verbunden ist. Weitere Faktoren, sind materieller Besitz und Auftreten in der Öffentlichkeit. Anhäufen von Aufmerksamkeit, Reichtum oder Status ist sichtbar und wird generell positiv gewertet. Zurückhaltend sein, genügsam und bedacht, ist dagegen eher unsichtbar und wird oftmals als Zeitverschwendung, fehlende Raffinesse oder schlicht als einfältig gewertet. Einen kleinen ökologischen Fußabdruck verursachen, großes ehrenamtliches Engagement in politischen und sozialen Bereichen oder im Naturschutzbereich kann man schwer anhand von Äußerlichkeiten erkennen. Falls es doch erkannt wird, wird es häufig wenig wertgeschätzt. Oft geschieht sogar das genaue Gegenteil: Menschen, die ihr Leben in diese Richtung verändern, werden abschätzig als „Gutmenschen“ bezeichnet.

Zwei Beispiele hierzu:

  1. Wer gilt als erfolgreicher und ernstzunehmender? Ein Manager, der eine riesige Firma leitet, die zwar ethisch und umweltschonend nicht gerade ein Vorzeigeobjekt ist, der aber keine Gelegenheit verpasst zu betonen, wie viel Verantwortung er trägt. Oder ein „Aussteiger“, der versucht, sich aus seinem Garten zu ernähren, der jedem, der fragt Obdach gewährt und ihm ein wenig seiner Zeit schenkt.
  2. In welcher Schule wird einem Kind ernsthaft vermittelt, dass sein Glück möglicherweise nicht darin liegt, sich mit Konsumgütern und Statussymbolen zu umgeben, sondern möglicherweise darin, umsichtig durchs Leben zu gehen und sich dafür zu sensibilisieren, dass menschliches Miteinander und ein intakter es umgebender Naturraum eine wunderbare Basis dafür bieten.

Das gesellschaftliche Dogma von Sicherheit, Anerkennung durch Reichtum und Ansehen durch Statussymbole lassen dagegen den für viele Probleme ursächlichen Wettbewerb um Ressourcen aller Art sich immer weiter fortführen. Bewertungsinstrumente wie die PISA-Studie fördern diese Dynamik noch, denn sie steigern die Motivation für ein Ellenbogen-Verhalten unserer Kinder.

Diese beiden Beispiele führen vor Augen, wie sehr wir einer primitiven Verhaltensregel des „Überlebens“ und des „Profilierens“ verhaftet sind, anstatt unserer Vernunft zu folgen und intelligent an die Lösung der oben genannten Probleme zu gehen.

So ist ein vielerorts genannter, einleuchtender Lösungsansatz für die eingangs skizzierten Probleme der, einfach weniger zu verbrauchen. Genügsam zu leben. Weniger haben, mehr sein. Eine Trendwende, diesen Vorschlag tatsächlich nicht nur zu diskutieren, sondern auch umzusetzen, ist jedoch nicht absehbar.

Wir geben in der Spinnerei dem „vernünftigen Verhalten“ einen Wert, indem wir es wertschätzen.

Wir wollen ein Handeln in diese Richtung nicht im ewigen Konjunktiv „Eigentlich müsste man...“ stehen lassen, sondern es einfach angehen und umsetzen. Unser Ansatz ist die Philosophie. So wie Albert Schweitzer sagte „Das Beispiel ist nicht das wichtigste, es ist das einzige Mittel, um andere zu beeinflussen.“ wollen wir beispielhaft leben.

Uns ist bewusst, dass unsere gesellschaftliche Prägung viele (vermeintliche) Bedürfnisse in uns verankert, Ängste erzeugt und Verhaltensmuster trainiert hat, die uns selbst manchmal unendlich langsam und angestrengt fühlen lassen. Aber wir sind bereits mehrere Jahre diesen Weg gegangen und haben auch unerwartete Erfolge gefeiert. Wir können von neuen Möglichkeiten erzählen, die uns klar geworden sind. Und wir können zeigen, dass Glück und Zufriedenheit ganz bestimmt nicht vom materiellen Wohlstand abhängig sind. Das Aufbrechen des gesellschaftlichen Rahmendenkens ermöglicht uns ein Leben, das zwar vielfach komplizierter und umständlicher erscheint. Es erlaubt jedoch eine außerordentliche individuelle Freiheit. Nur dadurch können wir die Demokratie beleben: Menschen anhören und anerkennen, Mut machen und einen Weg aufweisen, der Lösungen mit allen Menschen bietet.

Wir möchten etwas bewegen!

Im Glauben daran, dass Verantwortung zu übernehmen und für etwas zu stehen, zu einem erfüllten Leben gehört, fühlen wir uns in diesem Tun bestärkt.

Der ländliche Raum hat seine Vorteile. Die relativ dünne Besiedlungsdichte ermöglicht es einem jedem durch Engagement einen deutlichen Unterschied zu machen. Geht man in der Stadt schnell in der Masse unter, so sticht man auf dem Lande schnell hervor. Das „Jeder kennt jeden“ ist des einen Leid, des anderen Vorteil. Wer was bewegen will, wird viel schneller wahrgenommen und kann größeren Einfluss nehmen. Wir geben uns die Hand mit einer Politik, die sich motivierte Akteure in einer strukturschwachen Region wünscht. Eine Politik, die nicht selber jeden Schritt vorgeben muss, sondern das gestalten kann, was die Bürger selber anstoßen.

Wir bringen selbst Ideen und Vorstellungen dazu mit, wie wir gerne leben wollen. Jedem, der sich wünscht, daran teilhaben zu können, möchten wir dies auch ermöglichen.

Wir möchten kennenlernen, was es in der Region gibt. Durch Vernetzung und Begegnungen möchten wir teilhaben, an dem, was Menschen der Region anbieten. Ob Erfahrungen, Wissen oder Lebensweisen, wir möchten dazulernen.

Wir wollen die Region prägen und uns von ihr prägen lassen, um etwas wie Heimat hier zu finden.

Um dies leben zu können, sehen wir uns als Teil der Region und freuen uns über jene, die uns willkommen heißen. Und auch wir wollen Menschen einladen und sie genau so begrüßen, wie es uns am schönsten erscheint.

Wir wollen verlässlich sein. Was wir schätzen, wollen wir erhalten und treten dafür ein. So liegen uns Demokratie und Natur besonders am Herzen und das ist in der Öffentlichkeit auch wahrzunehmen.

Und wir wollen unsere Werte weitergeben an unsere Kinder und folgende Generationen, in der Hoffnung, eine lebenswerte Lausitz auch für die Zukunft aufzuzeigen.

Politische Mitgestaltung /Politisches Engagement

Eine Demokratie lebt von der politischen Mitgestaltung aller Menschen, die in ihr leben. Eine demokratische Gesellschaft kann aber nur vielfältig und ausgewogen unter Berücksichtigung aller Interessen sein, wenn jeder dies auch tut: Mitgestalten.

Tagtäglich betreffen uns direkt vor unserer Haustür die Auswirkungen politischer Entscheidungen - sei es der Bau einer neuen Straße, die Eröffnung eines neuen Tagebaus, die Verseuchung von Seen oder Bächen oder aber die seltenen Fahrten öffentlicher Verkehrsmittel - die nicht von uns entschieden wurden. Dass Menschen ein Recht haben, sich an den Planungs- und Entscheidungsprozessen zu beteiligen, ist ein wesentliches Merkmal der Demokratie. Dass Menschen dieses Recht nutzen, macht Demokratie lebendig und eine Region lebenswert.

Wie kommt es, dass politische Beteiligung der Bürger praktisch kaum Anwendung in unserer Region findet?

Wie ist es möglich, dass die Macht einer Lobby so viel größer ist, als die Macht öffentlicher Institutionen und von Bürgern?

Und vor allem: Wie findet man Wege zu mehr Mitgestaltung?

In der Spinnerei versuchen wir, Antworten auf diese Fragen zu finden und als Ausgangspunkt zu nehmen, neue Handlungsmöglichkeiten zu finden und zu erproben: Mit der Gründung der Bürgerinitiative „Strukturwandel jetzt – Kein Nochten II“ haben wir vielen betroffenen Menschen wieder eine Stimme in der Öffentlichkeit gegeben.

Von uns organisierte Demonstrationen machten den Widerstand auch überregional deutlich.

Mit Präsenz in Ausschüssen und Verfahren nahmen wir politischen Einfluss.

Wir ermöglichten eine Klage, um die Rechtmäßigkeit der politischen Entscheidung bezüglich eines neuen Tagebaues zu hinterfragen.

Der einseitigen Berichterstattung und der starken Einflussnahme der Lobby setzen wir eine eigene Zeitung entgegen, um kostenlos allen Betroffenen einen Zugang zu Informationen zu ermöglichen. Dieser alternative Zugang ist von politischer Seite und von Seiten des Tagebaubetreibers unerwünscht. Mit Pressemitteilungen machen wir auf Missstände aufmerksam und mahnen Umweltzerstörung und Übergriffe gegen die freie Meinungsäußerung an.

Bei Diskussionsrunden, in Vorträgen, mit einer entsprechenden Homepage und anderen Formaten stehen wir mit Informationen und Beratung in der Öffentlichkeit.

Und nicht zuletzt kandidieren wir auch bei den Gemeinderatswahlen, weil wir auch auf Gemeindeebene politische Verantwortung übernehmen wollen.

Diese demokratischen Werkzeuge zur Mitgestaltung unserer Region nutzen wir nicht nur beim Thema Braunkohle, sondern auch wenn es um Themen wie Nachhaltigkeit, Bildungssystem, Umweltbildung und vieles mehr geht.

Wir wollen in der Spinnerei aber nicht dabei stehen bleiben, uns selbst politisch zu engagieren: Wir wollen andere Menschen ermutigen selbst politisch ihr Lebensumfeld mitzugestalten. Um dieses Selbstverständnis vermitteln zu können, bedarf es eines regelmäßigen Austausches zwischen Menschen. Dieser kann nur stattfinden, wenn es dafür einen Ort gibt. Traditionell waren dies oft Gasthäuser, Kneipen, Kirchen oder Vereinshäuser. In unserer Region gibt es diese Orte immer weniger. Oder es findet dort stark beeinflusstes Diskutieren statt. Oft bedingt durch die - meist finanziell - gefühlte oder tatsächliche Abhängigkeit von der bestehenden Kohlelobby. Respektvolle Diskussionen auf Augenhöhe sind unserer Erfahrung nach eine Seltenheit. Sozialer Ausschluss oder Mobbing beim Äußern einer vom gefühlten Konsens abweichenden Meinung sind Normalität.

Gerade die politische Entwicklung rund um die Spinnerei ist für viele Menschen daher ein Indikator für die bedenkliche Gesamtsituation der Meinungsfreiheit und demokratischen Wirksamkeit in der Region. Wenn tätliche Angriffe auf die Spinnerei durch Kommunalpolitiker ignoriert oder verharmlost werden, wenn unsere Teilnahme an Einwohnerversammlungen zu Mobbing führt, bestätigt dies Menschen in ihrem Demokratieverdruss. Sie sind in der Folge entmutigt, (weiter) am politischen Leben teilzunehmen. Politische Entscheidungsträger können zwar inhaltlich mit den von der Spinnerei formulierten Ansätzen in die Kritik gehen. Im Selbstverständnis einer pluralistischen, toleranten und demokratischen Gesellschaft dürfen sie aber nicht demokratische Grundrechte anderer einschränken.

Hier ist noch viel Demokratie-Arbeit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten notwendig, bis eine tolerante politische Diskussionskultur etabliert ist.

Aus diesem Grund wollen wir hier in der Spinnerei eine Plattform bieten, die klar nach außen zeigt, dass alle persönlichen Meinungen respektvoll geäußert und diskutiert werden dürfen. Dies ist in der Situation, in der sich unsere Region befindet, für viele Menschen wichtig.

Für stark kontroverse Diskussionen bieten sich viele Themen an, z.B. Flüchtlinge, Wölfe, Braunkohle, Rechtsdruck etc.

Häufig zeigt sich bei den Diskussionen auch, dass eine sachliche Auseinandersetzung oder den Mut aufzubringen, sich öffentlich zu äußern, an fehlenden Informationen scheitert. Aus diesem Grund wollen wir Filme, Ausstellungen und Erlebnisberichte anbieten. Dabei ist nicht vorausgesetzt , dass solche Formate nur vom Verein „Eine Spinnerei – vom nachhaltigen Leben e.V.“ angeboten werden. Schon in den letzten Jahren haben mehrere Akteure und Vereine die Spinnerei als Plattform für ihre Veranstaltungen nachgefragt – so beispielsweise das Mobile Kino vom Filmclub von der Rolle '94, der BUND oder die Fahrradtour „Ideen erFahren“. Auch für die Zukunft besteht Interesse, die Spinnerei als Plattform zu nutzen.

In Zeiten von Pegida, AfD und abnehmendem Vertrauen in die Demokratie ist die öffentliche Anerkennung bürgerschaftlichen, demokratischen Engagements aus unseren Augen von besonderem allgemeinen Wert.

Aus diesem Grund wünschen wir uns, dass zukünftig von kommunaler und Kreis-Politik unser ehrenamtliches bürgerschaftliches Engagement (Zeitung, Infoveranstaltungen, Bürgerbündnis, etc.) als Bereicherung der politischen und gesellschaftlichen Landschaft der Lausitz anerkannt wird.

Bauen in der Spinnerei – nachhaltig, sozial verträglich, ökologisch und experimentell

Die Baukunst gilt als eines der Aushängeschilder einer Kultur. Bauwerke geben uns tiefe Einblicke in die Geschichte überall auf der Welt. Sie erzählen weitaus mehr als nur, wie weit man in der Lage war zu bauen. In Bauwerken spiegeln sich Wirtschaft, Politik, Religion, Philosophie und vieles mehr einer Zeit wieder. Daraus resultiert eine Bandbreite an verschiedenen Baustilen weltweit, die unermesslich erscheint.

Wer sich mit dem Thema „Bauen“ beschäftigt, kann sich unversehens mit den unterschiedlichsten Fragestellungen auseinandersetzen, die sich weit ins persönliche Leben erstrecken.

Für uns ist der derzeitige „Mainstream“ des Bauens in Deutschland und Europa vor allem durch die so genannte Wirtschaftlichkeit geprägt. Heutzutage sind die Dienstleistungen das Teuerste an einer Baustelle – „Zeit ist Geld“. Priorität ist folglich, die Baustelle in schnellstmöglicher Zeit fertig zu stellen. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz von modernen Baustoffen, wie Beton und Kunststoffen, High-Tech- Geräten und Maschinen, wie Satelliten zur Vermessung oder 3D-Druckern, oder einfach durch den inflationären Mehrverbrauch von Material zugunsten geringeren personellen Aufwands, wie Wegwerfpinseln - früher wurde ausgewaschen.

Dieser historisch bisher einmalige Ressourcen- und Energieaufwand lässt sich nur durch eine weltweit extrem unfaire Ressourcenverteilung, natur- und klimaschädliche Industrien und die ethisch nicht vertretbare Ausbeutung anderer Völker realisieren. Im Hinblick auf eine lebenswerte enkeltaugliche Zukunft ist diese Art zu bauen für uns keine Option.

Der Vorsatz konsequent bei einem Bauvorhaben auf ethische, umweltschonende und nachhaltigkeitsorientierte Vorgehensweisen zu achten, macht eine Realisierung unter den heutigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen fast unmöglich. Entweder ist es zu teuer, dauert zu lange, der Anspruch an Behaglichkeit und Bequemlichkeit kann nicht erfüllt werden oder das Wissen um Bautechniken ist nicht (mehr) vorhanden bzw. notwendige Materialien sind nicht (mehr) zu beschaffen.

Die Verwendung von Begriffen wie „ökologisches“ oder „nachhaltiges“ Bauen erfüllen meist eher die Befriedigung des Wunschgefühls danach, als dass sie etwas über die reale Umsetzung sagen.

In der Spinnerei wollen wir so konsequent wie möglich nachhaltiges, sozial verträgliches, ökologisches und experimentelles Bauen realisieren. Schon die Formulierung „wie möglich“ macht deutlich, dass wir nicht erhoffen, dies zu 100% umsetzen zu können. Dem stehen einerseits z.B gesetzliche Standards entgegen (z.B. gewisse Brandschutzvorgaben), verloren gegangenes Handwerkswissen und ein fehlender Zugang zu natürlichen Ressourcen (z.B. für den Lehmwickeldeckenbau notwendiges Langstroh ist kaum noch erhältlich). Andererseits sind wir in unseren Denkweisen und Ansprüchen natürlich selber derart von unserer Gesellschaft geprägt, dass auch wir häufig in einem vorgegebenen emotionalen und gedanklichen Rahmen handeln.

Dennoch eröffnen sich schon bei unserer Herangehensweise unglaubliche Potenziale. Allein auf dem Gebiet „Wiederverwertung von Materialien“ haben wir verhältnismäßig große Mengen an Baustoffverbrauch einsparen können. Dem gegenüber müssen übliche Baustellen wie Verschwendungs- und Abfallintensivierungsprozesse erscheinen.

Wir wollen beispielgebend dafür sein, wie zukunftsfähiges Bauen gestaltet sein kann. Gemäß dem Spruch „Probieren geht über Studieren“ verstehen wir uns dabei als ein Experimentierraum, der vonnöten ist, um für die speziellen Fragestellungen des Bauens ökologische und sozial vertretbare Lösungen zu finden. Dabei ist für uns der Erfahrungsaustausch mit Handwerksmeistern, Wissenschaftlern, Ingenieuren oder schlicht Heimwerkern mit viel Erfahrung existenziell.

 

Welche Prinzipien berücksichtigen wir beim Bauen?

 

Nach dem Motto „Erstmal erhalten was da ist, bevor man neues baut“ wollen wir ein altes Wohnhaus und ein ehemaliges Wassermühlen- Holzwollspinnerei-Gebäude instand setzen.

Alte Kulturtechniken und altes Wissen neu entdecken und nutzen

Hierbei versuchen wir anhand der vorhandenen Bausubstanz soviel wie uns möglich ist zu lernen. Alte Lehmmörtelmischungen geben uns z.B. Hinweise für Mischverhältnis und dessen Anwendung.

Alte Schüttungen über Decken oder noch vorhandenes Dämmmaterial zeigen uns auf, welche regionaltypischen Ressourcen wir wofür nutzen können.

Aus umliegenden alten Scheunen erhalten wir als nutzlos erachtete, althergebrachte Werkzeuge, wie z.B. eine per Hand angetriebene Strohhäckselmaschine, die wir vortrefflich für das stromlose Bauen mit natürlichen Rohstoffen nutzen können.

Leider fehlt mittlerweile zu einigen Gerätschaften das dazu gehörende Handwerk und es fällt manchmal schwer, uns dieses Wissen wieder zugänglich und erschließbar zu machen. So erleben wir direkt, was es bedeutet, wenn Kulturwissen verloren geht.

Wie andere aus Gold Scheiße machen oder wie wir versuchen Sondermüll zu vermeiden

Alte Holzbalken, Lehmziegel, Lehmputz, Stroh-,Heu-,Wolldämmung usw. können häufig sogar als hochwertige Baustoffe noch einmal verwendet werden oder noch als Brennholz oder für den Kompost dienen. In der Spinnerei versuchen wir nicht nur diese Baustoffe vorwiegend zu nutzen, sondern bei der Verarbeitung darauf zu achten, dass bei einem späteren Abriss die Baustoffe wieder zur Verfügung stehen könnten. Sollten z.B. in ferner Zukunft Glasflaschen wieder einen Wert bekommen, können allein aus unserer Bodendämmung ganz einfach wieder Tausende von Flaschen entnommen werden, ohne dass sie verunreinigt wären oder dies besonderen Aufwand bedeuten würde. Unserer Meinung nach sollten Bauwerke weit über ihren aktuellen Nutzen hinaus auch Wertigkeit und Optionen für nachfolgende Generationen bieten.

Wenn man ein „modernes“ Gebäude abreißt, dann steht man vor einem riesigen Berg Sondermüll. Baustoffe, die mit Bauschaum, Silikon und Stahlbeton verbaut wurden, können kaum erneut verwendet werden. Zahlreiche Entsorgungsunternehmen im Land werden für ihre unschädliche Lagerung benötigt. Diese Baustoffe, die bereits in der Herstellung viele Ressourcen und Energie verbraucht haben, benötigen dies bei der Entsorgung noch einmal. Im Bauen überlassen wir gesellschaftlich nachfolgenden Generation eben nicht nur Baukunst, sondern oft auch eine nicht unerhebliche Menge Müll.

Wegwerfgesellschaft als Baumarkt nutzen – Re- und Upcycling von Materialien

In der Spinnerei haben wir eine recht große Lagerfläche zur Verfügung, die uns die Möglichkeit gibt Baustoffe zu sammeln und zu erhalten. Und Baustoffe fallen überall zuhauf an: Ziegel- und Dachsteine, Fenster, Tonabwasserrohre, die nie verbaut wurden, Fliesen, Farbe, Nägel und Schrauben, die man als Baustoffe so kennt. Aber auch Schafwolle, leere Weinflaschen, Paletten, verschiedenste Metallelemente, Holzbretter, -balken, -latten bis hin zu 9000 Striezelmarkt-Glühweintassen bieten Möglichkeiten für kreatives Dämmen und Konstruieren und damit Lösungen für viele spezielle Fragestellungen:

Was findet sich erstaunlich oft in ähnlicher Form in bereits vergangenen Techniken wieder (z.B. Dämmung über Hohlgefäße) oder wie deckt man ein Dach, wenn man viele verschiedene Biberschwänze verschiedener Maße zur Verfügung hat? Wie baut man Lehmwickeldecken ohne Langstroh mit Schafwolle oder warum kann man mit Hohlmauern auch Lehmbautechniken wieder verwenden?

Wir versuchen die Vorteile der Baustoffe zu nutzen, wenn sie am richtigen Ort verbaut werden.

Dafür testen wir eine sehr große Bandbreite an Baustoffen auf ihre Materialeigenschaften. Dies tun wir in kleinen Projekten, wie Wände aus Wolle in einem Toilettengebäude oder Trockenmauern aus unterschiedlichsten Steinen. Dazu kommt, dass wir viele Baustoffe benutzen, die so früher nie zur Anwendung kamen, weil sie gar nicht verfügbar waren. Das betrifft z.B. Baumwolltextilien, die man zum Bauen verwenden kann, aber auch gebrannte Tonröhren, die anstelle von PU-Rohren überall weggeworfen werden.

Gelernt ist gelernt – Professionalität trifft Wissensdurst

Bei der Wiederherstellung der Fabrik haben wir zwei Ziele im Sinn: zunächst das Bildungsangebot an interessierte Menschen, am Bauprozess teil zu nehmen und die spätere Nutzung des Gebäudes als Räumlichkeit zu Bildungszwecken.

Aus diesem Grund wünschen wir uns eine Zusammenarbeit mit Handwerkern, die Lust haben, ihr Können weiter zu geben. Direkt anhand geeigneter Bauabschnitte soll Wissen vom Experten an Laien vermittelt werden. Denkbare Formate hierfür wären Workshops oder Workcamps.

Sozial verträgliches Bauen?

Hinter fast allen Baustoffen der heutigen Zeit verbergen sich Ausbeutung, Menschenrechtsmissachtung und unfairer Handel weltweit. Wir können beim Kauf eines Baustoffs nicht auf dem Etikett lesen, was dahinter steht. Anhand von Schwarzbüchern und anderen Dokumentationen können wir aber vieles davon erfahren. Dennoch ist es kaum möglich in Deutschland ein Haus zu errichten, ohne dabei irgendwo auf der Welt anderen Menschen Leid zuzufügen. Bevor wir einen Baustoff wählen, diskutieren wir deswegen lange seinen Hintergrund. Dies hat meist zur Folge, dass zum Verkauf stehende Baustoffe nicht gewählt werden. Auch aus ethischer Sicht macht daher Recycling und die Verwendung natürlicher, ortstypischer Materialien Sinn.

Gut Ding will Weile haben – der Faktor Zeit beim Bauen

Viele althergebrachte Bautechniken finden kaum noch Anwendung, allein weil sie länger dauern oder umständlicher beim Verbauen sind. So werden z.B. Lehmwickeldecken heutzutage meist durch Mörtelputz ersetzt. Dabei sind es nicht die Vorteile von Zementputz, die überzeugen. So kann Lehm viel besser die Feuchtigkeit regulieren, bedarf kaum Energie in der Herstellung und hat keine uns bekannten Nachteile in seiner Funktion. Er ist allerdings aufwendiger zu mischen, schwer aufzubringen und muss trocknen statt abzubinden. Alles Zeitfaktoren, die dem Zementputz einen Vorteil verschaffen. So gibt es viele Entscheidungen für Baustoffe, die allein durch geringeren Dienstleistungsaufwand überzeugen.

Wir entscheiden uns beim Bauen bewusst für den Faktor Zeit – und damit für weniger Technik- und Energieeinsatz und langlebigere Materialien, die ein gesünderes Raumklima schaffen.

Mut machen und Selbstwirksamkeit erfahren

Bauen ist bei vielen Menschen mit der Angst verknüpft Fehler machen zu können. „Ich kann das bestimmt nicht“ ist die geläufige Antwort, wenn wir Gäste fragen, ob sie Lust haben, beim Bauen zu helfen. Wir glauben, dass Bauen Spaß macht: Durch gemeinschaftliches Tun und der Freude am wirksam werden. Deswegen öffnen wir unsere Bauarbeiten vielen Menschen, z.B. über WWOOF. Mithilfe des angeleiteten und gemeinsamen Arbeitens helfen wir ihnen, ihre Hemmungen zu überwinden und geben ihnen das Gefühl, wirklich mitzuwirken. Viele Menschen erinnern sich gern daran, was sie in der Spinnerei mit gebaut haben, haben eigene kleine Projekte begonnen und tauschen sich gerne mit uns über ihre Erfahrungen aus.

Elektromobilität für den ländlichen Raum

Mobilität im ländlichen Raum ist für uns eine wesentliche Facette, um ländliches Leben für diejenigen Menschen anziehend zu gestalten, die hier wohnen wollen oder zu Besuch kommen und z.B. am Bahnhof abgeholt werden wollen. Wir praktizieren auf freundschaftlicher Ebene Sharing von Transportmitteln, wie PKW, PKW-Anhänger, Fahrrad und Fahrradanhänger.

Ziel ist es, in Zukunft erneuerbare Energien für die Mobilität (Elektromobilität, Antriebe mit Muskelkraft) zu nutzen. Für uns bedeutet das den Umstieg auf entsprechende Fahrzeuge, zum Beispiel das E-Bike für kleine Transportfahrten/Personentransporte und das E-Auto für mehr, schneller und weiter. Nach der Anschaffung der Fahrzeuge wollen wir diese im Sinne des Sharings Menschen zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stellen.

Der Umstieg auf die Elektromobilität verknüpft mit dem Sharing von Fahrzeugen stellt für uns einen wichtigen Beitrag zu mehr Klimaschutz und weniger Ressourcenverbrauch dar.

Erst die Elektromobilität gibt uns die Möglichkeit, die notwendige Energie zum Betreiben der Fahrzeuge selbst und dezentral herzustellen und zu nutzen. Wir wünschen uns, dass eine selbst betriebene Aufladestation in der Spinnerei (Solar oder Wasserkraft) die Aufladung der Fahrzeuge sicherstellt, und uns damit unabhängig vom öffentlichen Stromnetz macht.

So können auch Menschen, die uns (z.B. aus den Städten) besuchen kommen, die dort bereits recht vielfältigen Angebote von E-Autos wahrnehmen und direkt bei uns in der Spinnerei ihre Akkus aufladen, um den Rückweg ebenfalls zu bewältigen.

Um in der Region ein Netz solcher „privater“ Ladestationen zu schaffen, werden wir versuchen, weitere Menschen von diesem Gedanken zu begeistern und dahingehend eine Vernetzung anzustoßen.

Mögliche Ziele wären beispielsweise das „Umsteigen“ von einem Elektrofahrzeug auf ein nächstes (z.B. in Region Spreewald) um das Ladungsintervall eines Fahrzeugs dort erfolgen zu lassen und eine Rückfahrt z.B. aus Berlin am selben Tag zu ermöglichen.

Schließlich sehen wir bei dem Thema Mobilität einen wichtigen Sozialfaktor, da sich ein Raum eröffnet, in dem viele Menschen miteinander kooperieren und sich austauschen können.

Einstieg ins „Aussteigen“- was braucht es?

Und was kann die Spinnerei als Plattform in der Region dazu beitragen?

Aktuell gibt es einen breiten Pool an jungen, gut ausgebildeten Menschen, die einen anderen Lebensweg gehen wollen als den „normalen“ (Schule, Ausbildung, Beruf/Karriere, Familie, Haus, Altersheim, Tod). Gesellschaftlich wird ihnen gern das Etikett „Aussteiger“ aufgedrückt, viele befinden sich einfach auf der Suche nach Alternativen.

Die meisten verbindet der Wunsch (die Sehnsucht?), etwas „anders“ zu machen, bzw. zu verändern und selbstwirksamer als bisher zu sein. Angebote, die diese Wünsche (Sehnsüchte) aufgreifen, gibt es verschiedenartige und zuhauf: WWOOF, Weltreisen, Pilgern, aber auch Angebote aus der TransitionTown Bewegung wie „urban gardening“, solidarische Landwirtschaft, Stadt-Imkern, Selbstreparaturwerkstätten usw.

Doch vielen bleibt der Spielraum, in der Stadt ihre Träume zu leben zu gering, und sie richten ihren Blick auf den ländlichen Raum (und ländliche Gemeinschaften).

Doch dem Schritt, den Träumen die Tat folgen zu lassen, stehen oft Ängste und Hindernisse im Weg. Eine kleine Übersicht über diese Ängste und Hindernisse konnten wir in den letzten sechs Jahren gewinnen (z.B. in unserem Seminar „Wie gründe ich mein eigenes Hofprojekt auf dem Land?“ bei der Degrowth Konferenz in Leipzig 2014; im Austausch mit Gästen, Freunden und Bekannten). Die Spinnerei bietet bereits jetzt Unterstützung dabei an, diese Ängste und Hindernisse vor dem Schritt aufs Land zu minimieren:

Das Verlassen der Stadt bringt viele verschiedene (Verlust-)Ängste mit sich: Der befürchtete Verlust von Freundeskreis, bekanntem Alltag, möglicherweise des aktuellen Einkommens, Freizeitangeboten und Hobbies – mögliche Folgen bei einem abrupten Umzug. Die Vorstellung „Gestern Mietwohnung gekündigt, morgen schon Vollzeit auf dem Land wohnen“ mit der Gefahr des kompletten Abbruchs zum vorherigen Leben muss gar nicht sein!

Bereits jetzt schon ist die Spinnerei ein Ort, an dem Menschen Dinge beginnen, sich in Abläufe begeben und zu dem sie Freunde und Bekannte einladen, obwohl sie hier nicht leben. Hier probieren Menschen bereits gewohntes und „alltägliches“ Aussteigerleben, bevor sie überhaupt die Entscheidung treffen aufs Land zu ziehen.

Eine weitere Angst ist, auf dem neuen Lebensweg auf dem Land zu scheitern. Da scheuen sich viele Menschen vor dem Erwerb einer Immobilie. Die Option, sich auf einem Hof einzumieten, ist hingegen vielfach nicht vorhanden.

Wir glauben, dass die Option des „Probewohnens“ daher eine ideale Lösung ist, Menschen den Ausstieg zu erleichtern oder auch zu ermöglichen. So wollen wir, als Spinnerei, selber diese Möglichkeit anbieten und andere dazu bewegen, dies auch zu tun.

Das Probewohnen ermöglicht Menschen den Zugang zu neuen sozialen Netzwerken. Es hilft ein Bild davon zu bekommen, was das Leben im Dorf / auf dem Land bedeutet. Es gibt Klarheit für eine größere Entscheidung. Ein Immobilienkauf bzw. ein Einzug in eine bestehende Gemeinschaft ist dann viel einschätzbarer.

Die Frage, auf was man achten muss, wenn man die Entscheidung trifft z.B. ein Haus zu kaufen, ist für Neulinge ein sehr verwirrendes Feld. Beratung durch die Spinnerei heißt hier, dass wir unsere eigenen Erfahrungen und Überlegungen teilen: Was lief bei unserem Entscheidungsprozess gut, was schlecht? Was haben wir seitdem dazugelernt? Zusätzlich können wir Unterstützung dabei anbieten, die eigenen Wünsche zu konkretisieren, Vorteile und Nachteile einer Immobilie abzuwägen, Mängel und notwendige Aufgaben einer Immobilie zu sehen usw. Der Austausch zu diesen Themen kann Menschen Selbstsicherheit bei solch großen Entscheidungen geben.

Bereits jetzt schon leben Menschen zeitweilig als Gäste bzw. „Mitbewohner auf Zeit“ in der Spinnerei, z.B. im Rahmen des WWOOF-Programms, bei welchem sie für Kost und Logis Mitarbeit leisten und viele Erfahrungen im alternativen Leben auf dem Land sammeln können.

Häufig treffen wir dabei auf „Wanderer“: Menschen, deren aktuelle Lebensphase im häufigen, bewussten Wechsel von Orten besteht, wo sie sich Inspiration, Austausch und Wissen aneignen, um danach weiter zu wandern oder ins alte Leben zurückzukehren.

Die „Wanderer“ bringen in die Spinnerei Motivation, Geschichten, Ideen, aber auch Anerkennung und Hilfe mit.

Wir sehen in wandernden Menschen auch einen großen Gewinn für das gesamte Dorf. Sie tragen ihre Eindrücke über Dorf und Region im positiven Fall als Werbung in andere Gegenden. Wenn es Austausch- und Kontaktmöglichkeiten ins Dorf gibt, kann dies zur Förderung eines vielfältigeren und toleranteren Welt- und Menschenbildes beitragen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass der Ort oder die Plattform der Spinnerei zu einem stetigen Strom von Menschen führt. Dieser eröffnet umliegenden Ortschaften die Möglichkeit von Zuzug, er ermöglicht ein vielfältigeres kulturelles Dorfleben und er kann die Weltoffenheit und die Toleranz durch Erfahren von „Fremden“ fördern.

Herausforderung Braunkohlerevier Lausitz

Ausgangssituation: Die Lausitz steht vor verschiedenen strukturellen Umbrüchen und damit Herausforderungen.In der vom Bergbau geprägten Region fehlt derzeit der so genannte Plan B für die Zeit nach der Braunkohle. Der Rückgang der Braunkohleindustrie im Zuge der Energiewende wird absehbar zum Verschwinden von Industriearbeitsplätzen, Wegzug von darauf angewiesenen Menschen und zu einem Rückgang von Infrastruktur führen.

Schon zuvor wird für den Kreis Bautzen bis 2025 ein Bevölkerungsrückgang von durchschnittlich 16-18 % des Standes von 2011 prognostiziert. Das Lausitzer Seenland ist dabei besonders stark betroffen. Es sind überwiegend die jungen Menschen, und dabei die jungen Frauen, die sich entschließen, den Kreis zu verlassen.

Bei vielen Menschen lösen diese sich bereits jetzt ankündigenden Entwicklungen Ängste und Abwehrreaktionen aus.

Der anstehende Strukturwandel eröffnet aus unserer Sicht jedoch auch neue Gestaltungsräume.

Und Gestaltungsraum ist in der heutigen Zeit immer kostbarer. So kann der Strukturwandel die Lausitz attraktiv machen gerade für junge tatkräftige Menschen, die ihr Lebensumfeld mit beeinflussen und etwas auf die Beine stellen wollen.

Voraussetzung ist dafür aber, dass ihre Bewohner tatsächlich die Region mitgestalten und Verantwortung übernehmen dürfen und Raum für vielfältige und unbedingt auch unkonventionelle Lösungsansätze zugelassen wird. Eine Vielfalt an kulturellen und wirtschaftlichen Standbeinen sichert dann auch das Fortbestehen der Region, wenn einzelne Standbeine wegbrechen. Somit entstünde auch eine Region, die resilient, also widerstandsfähig gegenüber Umbrüchen ist.

In diesem Sinne sind wir, eine kleine Gemeinschaft junger Menschen, seit 2011 dabei, das Gelände der ehemaligen Holzwollspinnerei in der Gemeinde Spreetal, Kreis Bautzen, wieder zu beleben.

Als Spinnerei möchten wir uns an dem oben beschriebenen Transformationsprozess aktiv beteiligen. Unseren Beitrag sehen wir vor allem in der Entwicklung und Umsetzung eines nachhaltigen, sprich enkeltauglichen Lebensstils mit seinen vielfältigen Facetten im kulturellen, (bildungs- und umwelt)politischen und bautechnischen Bereich.

Als Begegnungsort und Anlaufpunkt hat die Spinnerei bereits heute Anziehungskraft für viele und besonders für junge Menschen, die eine alternative Lebensart für sich favorisieren.

Die einzelnen Bereiche, in denen die Spinnerei sich als Entwicklungsplattform anbietet, sind vielfach mit Elementen anderer Bewegungen vergleichbar. So gibt es bereits viele Verflechtungen mit z.B. Umweltverbänden, der Transitiontownbewegung, solidarischer Landwirschaftsprozesse oder etwa der evangelischen Kirche.

Adrian

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Mulli

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Fred

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