Weniger haben, mehr sein

Wir sind in der heutigen Zeit umgeben von Konflikten: Ressourcen und Flächen werden weltweit immer knapper. Daraus resultieren Kriege und Flüchtlingsströme. Die Ausbeutung von Menschen, Natur und Tieren ist allgegenwärtig. Der globale Klimawandel und der dadurch ansteigende Meeresspiegel sind als Verschärfung dieser Probleme wohl bei den meisten mittlerweile angekommen. Die Welt wird immer kleiner und knapper für die Menschheit.

Viele Menschen stellen sich die Frage: „Wie lange geht das noch gut?

Anstatt bei einem möglichen Handeln auf technische Lösungen zu vertrauen oder auf große Systemänderungen zu setzen, gehen wir ins Detail. Wir setzen bei dem an, was wir verändern können: uns selbst. Und unseren Umgang mit den oben genannten Problemstellungen.

Wir wollen Grundsätze ernst nehmen, die in den Menschenrechten, Grundrechten unseres Landes und in zahlreichen Glaubensschriften aller Religionen festgeschrieben sind. Zentral ist dabei die Frage: Wie kann man bei Wahrung der Schöpfung, im Respekt gegenüber Menschen und Tieren leben und dabei glücklich sein?

Dass es hierbei bereits viele Anleitungen, Ideen und Erfahrungen gibt, hilft uns bei unserer Orientierung. Jedoch: gute Ansätze scheitern oder weichen oft durch fehlende Konsequenz auf. Hierbei spielen die Regeln, nach denen in unserer Gesellschaft Anerkennung gewährt wird, eine große Rolle. Versuche, konsequent nachhaltig in allen Bereichen des Lebens zu leben, scheitern oft nicht an finanziellen Mitteln, fehlenden technischen Möglichkeiten oder an Motivation.

Sie scheitern unserer Ansicht nach meist an fehlender gesellschaftlicher und mitmenschlicher Anerkennung.

Unsere Gesellschaft ist durchdrungen von einem Geist des „mehr“

Anerkennung wird demjenigen gezollt, der immer mehr hat. Gesellschaftlich wird Anerkennung für Arbeit gezollt, die ein hohes Einkommen generiert und/oder mit einem hohen Bildungsstand verbunden ist. Weitere Faktoren, sind materieller Besitz und Auftreten in der Öffentlichkeit. Anhäufen von Aufmerksamkeit, Reichtum oder Status ist sichtbar und wird generell positiv gewertet. Zurückhaltend sein, genügsam und bedacht, ist dagegen eher unsichtbar und wird oftmals als Zeitverschwendung, fehlende Raffinesse oder schlicht als einfältig gewertet. Einen kleinen ökologischen Fußabdruck verursachen, großes ehrenamtliches Engagement in politischen und sozialen Bereichen oder im Naturschutzbereich kann man schwer anhand von Äußerlichkeiten erkennen. Falls es doch erkannt wird, wird es häufig wenig wertgeschätzt. Oft geschieht sogar das genaue Gegenteil: Menschen, die ihr Leben in diese Richtung verändern, werden abschätzig als „Gutmenschen“ bezeichnet.

Zwei Beispiele hierzu:

1. Wer gilt als erfolgreicher und ernstzunehmender? Ein Manager, der eine riesige Firma leitet, die zwar ethisch und umweltschonend nicht gerade ein Vorzeigeobjekt ist, der aber keine Gelegenheit verpasst zu betonen, wie viel Verantwortung er trägt. Oder ein „Aussteiger“, der versucht, sich aus seinem Garten zu ernähren, der jedem, der fragt Obdach gewährt und ihm ein wenig seiner Zeit schenkt.

2. In welcher Schule wird einem Kind ernsthaft vermittelt, dass sein Glück möglicherweise nicht darin liegt, sich mit Konsumgütern und Statussymbolen zu umgeben, sondern möglicherweise darin, umsichtig durchs Leben zu gehen und sich dafür zu sensibilisieren, dass menschliches Miteinander und ein intakter es umgebender Naturraum eine wunderbare Basis dafür bieten.

Das gesellschaftliche Dogma von Sicherheit, Anerkennung durch Reichtum und Ansehen durch Statussymbole lassen dagegen den für viele Probleme ursächlichen Wettbewerb um Ressourcen aller Art sich immer weiter fortführen. Bewertungsinstrumente wie die PISA-Studie fördern diese Dynamik noch, denn sie steigern die Motivation für ein Ellenbogen-Verhalten unserer Kinder.

Diese beiden Beispiele führen vor Augen, wie sehr wir einer primitiven Verhaltensregel des „Überlebens“ und des „Profilierens“ verhaftet sind, anstatt unserer Vernunft zu folgen und intelligent an die Lösung der oben genannten Probleme zu gehen.

So ist ein vielerorts genannter, einleuchtender Lösungsansatz für die eingangs skizzierten Probleme der, einfach weniger zu verbrauchen. Genügsam zu leben. Weniger haben, mehr sein. Eine Trendwende, diesen Vorschlag tatsächlich nicht nur zu diskutieren, sondern auch umzusetzen, ist jedoch nicht absehbar.

Wir geben in der Spinnerei dem „vernünftigen Verhalten“ einen Wert, indem wir es wertschätzen

Wir wollen ein Handeln in diese Richtung nicht im ewigen Konjunktiv „Eigentlich müsste man...“ stehen lassen, sondern es einfach angehen und umsetzen. Unser Ansatz ist die Philosophie. So wie Albert Schweitzer sagte „Das Beispiel ist nicht das wichtigste, es ist das einzige Mittel, um andere zu beeinflussen.“ wollen wir beispielhaft leben.

Uns ist bewusst, dass unsere gesellschaftliche Prägung viele (vermeintliche) Bedürfnisse in uns verankert, Ängste erzeugt und Verhaltensmuster trainiert hat, die uns selbst manchmal unendlich langsam und angestrengt fühlen lassen. Aber wir sind bereits mehrere Jahre diesen Weg gegangen und haben auch unerwartete Erfolge gefeiert. Wir können von neuen Möglichkeiten erzählen, die uns klar geworden sind. Und wir können zeigen, dass Glück und Zufriedenheit ganz bestimmt nicht vom materiellen Wohlstand abhängig sind. Das Aufbrechen des gesellschaftlichen Rahmendenkens ermöglicht uns ein Leben, das zwar vielfach komplizierter und umständlicher erscheint. Es erlaubt jedoch eine außerordentliche individuelle Freiheit. Nur dadurch können wir die Demokratie beleben: Menschen anhören und anerkennen, Mut machen und einen Weg aufweisen, der Lösungen mit allen Menschen bietet.